"FALLEN" eine Ur - Angst der Menschen

"FLIEGEN" ein uralter Traum der Menschen
Ist Fallschirm springen ein Sport für Abenteurer und verantwortungslose Menschen, die mit ihrer Zeit und ihrem Leben nichts vernünftigeres anzufangen wissen?

Erste Überlieferungen aus dem Jahr ca. 1500 v. Chr., stammen aus China, als zu ehren der Thronbesteigung eines Kaisers, chinesische Akrobaten mit "Schirmen" von hohen Türmen gesprungen sein sollen.

Von Leonardo da Vinci stammt die erste Zeichnung eines Fallschirmes. "Wenn sich ein Mensch mit einem Baldachin aus Leinen ausrüstet, der auf einen Rahmen gespannt ist, von dem jede Seite 12 Ellen Länge hätte und der 12 Ellen hoch wäre, könnte er ohne Schaden zu nehmen aus jeder beliebigen Höhe herab springen", beschrieb er seine Zeichnung. Im Jahr 1495 erfand L. da Vinci somit den Fallschirm. Er selber sprang nicht und es traute sich wohl auch niemand in dieser Zeit.

Erst rund ein Jahrhundert später, im Jahr 1617 sprang Fauste Veranzio in Venedig vom Glockenturm, mit einem von ihm entwickelten und gebauten, quadratischen Holzgestell, dass er mit Stoff bespannte. Er war der erste "Homo volans" (fliegender Mensch).

Im weiteren Verlauf der Zeit experimentierten mehr oder weniger erfolgreich Erfinder und Physiker wie Montgolfier (Erfinder des Heißluftballons) und Sebastian Lenormond mit Fallschirmen. Sinn und Ziel dieser Erfindungen war es, Menschen aus brennenden Gebäuden zu retten. Bis jetzt waren diese Fallschirme immer mit einem "festen" Rahmen ausgestattet.

Mit der Erfindung und Entwicklung des Ballons begann nun eine ganz andere Ära für den Fallschirm.
Nicht mehr Häuser, Bäume oder Türme dienten als Absprungmöglichkeit, sondern Ballons mit weitaus höheren Absprungmöglichkeiten.


Die Gebrüder Jean und Andre Garnerin (Frankreich) spielten in der Geschichte des Fallschirmes eine sehr bedeutende Rolle. Ihr Fallschirm hatte zum erstenmal keine starre Basis (fester Holzrahmen) mehr, die die Entfaltung vor dem Gebrauch sicherte. Der nötige Luftdruck, zum Entfalten und aufblasen des Schirmes musste durch eine gewisse Fallgeschwindigkeit aufgebaut werden. Der erste Versuch war sehr spektakulär, am 22. Okt. 1797 kappte in 700m Höhe Andre Garnerin die Verbindungsleine zum Ballon und er fiel mit rasender Geschwindigkeit der Erde entgegen. Die zahlreichen Zuschauer stießen bereits gellende Schreie und Schreckensrufe aus, aber die Kappe entfaltete sich und Andre Garnerin landete sicher.

Der Bann war gebrochen, Fallschirm springen verbreitete sich über ganz Europa. Was zunächst eine reine Männerangelegenheit war wurde nun mehr und mehr auch von Frauen ausgeübt.

Als bedeutendste Frau in der Geschichte des Fallschirmsportes gilt die Deutsche Käthe Paulus, die um 1890 ihren ersten Fallschirmabsprung machte. Sie war die Erste, die auf die bahnbrechende Idee kam, den Schirm zusammenzupacken. Sie faltete die Bahnen sorgfältig, zog eine schlauchartige Packhülle darüber und rollte das Ganze zusammen. Beim Absprung wurden zunächst die Leinen herausgezogen und dann die Kappe. Käthe Paulus beherrschte schon um die Jahrhundertwende die Technik des Doppelabsprungs. Sie sprang aus ca. 1200m von einem Ballon ab, öffnete den ersten Schirm, warf ihn ab (hängte sich aus) und öffnete kurz darauf den zweiten Schirm.


Am 1. März 1912 sprang der Amerikaner Albert Berry als erster Mensch aus einem Flugzeug.

Dem deutschen Konstrukteur Heinecke gelang es ein letztes Hauptproblem zu lösen. Bei Rettungsabsprüngen aus Flugzeugen war die Gefahr groß, das sich die Kappe am Flugzeug verfing, da diese direkt am Flugzeug verstaut war. Heinecke konstruierte eine "Verpackung" die nicht am Flugzeug sondern am Körper der Piloten befestigt waren. Eine genügend lange Leine -heute Aufziehleine genannt- zog den Fallschirm aus der Verpackung und dieser konnte sich somit gefahrlos öffnen. Dieses Prinzip des Heinecke-Fallschirms wird heute noch angewandt.

Einen weiteren Meilenstein setzte der Amerikaner Leslie L. Irvin. Am 28. April 1919 sprang er in 500m Höhe aus einem Doppeldecker und ließ sich "frei" durch die Luft fallen. Erst kurz darauf öffnete er den Fallschirm. Der erste "Freifallsprung" war getan, ein ungeheures Wagnis. Damals glaubte man noch ein Mensch im "Freien Fall" müsse unweigerlich das Bewusstsein verlieren.

Der Siegeszug des Fallschirms als Rettungsgerät begann damit. Unzählige Piloten verdanken ihm ihr Leben. Wiederum ein Deutscher, Richard Kohnke, sprang 1930 aus 7800m Höhe ab und absolvierte einen Freifall von 140 sec. Dauer. Er stellte schon damals fest, dass die Fallrichtung durch das Einnehmen verschiedener Körperhaltungen beeinflusst werden kann. Der Fallschirmsport war geboren. Die Entwicklung des "Fallschirms" ging rasant weiter.

Der Rundkappenfallschirm, mit all seinen unzähligen Modifikationen, musste den sogenannten rechteckigen Flächengleitern weichen. Diese Gleitfallschirme sind viel besser steuerbar und die Landungen wesentlich sanfter. Auch das Gurtzeug, die äußere Verpackung vollzog einen Wandel. Bei Rundkappen-Gurtzeugen ist die Hauptkappe auf dem Rücken des Springers und die Reserve auf der Brust befestigt. Haupt- und Reserveschirm kamen beide auf den Rücken, in zwei getrennten Containern, aber mit einer äußeren Verpackung. Dies war möglich durch Gewichts- und somit Volumenreduzierung der Fallschirme. Gleitschirme sind, durch ihr Flugprofil, wesentlich leistungsfähiger wie Rundkappen.

Die revolutionärste Entwicklung im Fallschirmsport sind aber sogenannte Öffnungsautomaten, die bei einer bestimmten Höhe und einer bestimmten Fallgeschwindigkeit den Reservefallschirm automatisch öffnen. Diese Öffnungsautomaten sind heute bei Schul- und Tandemabsprüngen Pflicht. All diese Weiterentwicklungen brachten eine große Zunahme an Sicherheit und Zuverlässigkeit bei der Ausrüstung. Heute wird Fallschirmspringen nicht mehr als Risikosportart eingestuft.